Gedanken am Sonntag

Gedanken zu Exaudi

Letzter Sonntag in der Osterzeit – Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Wir schauen von Himmelfahrt Richtung Pfingsten. Jesus hatte Abschied von seinen Jüngern genommen. Dieser Abschied trägt in sich die Verheißung des Wiedersehens: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen“.

Die Jünger und die Christen warten. Jesus hat seinen Jüngern versprochen, sie sollen darauf warten, dass Gott ihnen einen Tröster schicken wird. Und die zehn Tage bis Pfingsten waren seine Jünger natürlich gespannt wie die Erfüllung des Versprechens aussehen würde.

Der Sonntag Exaudi spiegelt die Spannung wider, in der die Jünger sich befanden, nachdem ihr Herr gen Himmel aufgefahren war. Sie wissen um die Verheißung des Geistes, haben ihn aber noch nicht erfahren. Sie leben in einer kaum erträglichen Spannung, denn das Vergangene hat nun keine Bedeutung mehr, und das Zukünftige hat noch keine Kraft. Die Gegenwart, in der sie machtlos sind, wird übermächtig und scheint sie zu fesseln.

In diese Spannung hinein erklingt als Erinnerungsruf die Rede Jesu, in der er den Tröster, seinen Geist, verheißt, über den heute gepredigt wird/wurde. Er stammt aus dem Buch des Jeremia. „So spricht der Herr: Es kommt die Zeit, in der ich mit dem Volk Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließe. Der neue Bund, den ich mit dem Volk Israel schließe, wird ganz anders aussehen: Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen.“

Jesus Christus zur Rechten Gottes. Gott, der einen neuen Bund verspricht, einen Bund zwischen ihm und uns Christen. Ein Bund fürs Leben, ein Bund, damit wir leben, eine Bund für ein gemeinsames Miteinander, ein Bund für die Ewigkeit. Wird der Bund halten? Fragen über Fragen.

Der neue Bund wird uns „ins Herz geschrieben“. Der neue Bund soll unser „Denken und Handeln bestimmen“. Der neue Bund führt uns aktiv in die christliche Gemeinde.

Freuen wir uns auf das, was an Pfingsten passieren wird – warten wir freudig mit dem Pfingstlied: O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, // verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. // Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, // dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zu Himmelfahrt

Aufgefahren in den Himmel – er sitzt zu rechten Gottes!

So beten wir es im Glaubensbekenntnis, dem Herzstück unseres Glaubens. Jeden Sonntag sind diese Worte fester Bestandteil der Liturgie. Bekenntnis – aber auch (Selbst) – Vergewisserung!

Die Himmelfahrt Jesu Christi hat eine Vorgeschichte. Und Himmelfahrt ist auch nicht das Ende einer Geschichte. Himmelfahrt ist Teil eines großen Bogens von Ereignissen und Geschichten.

Dieser Bogen bis zur Himmelfahrt fängt nach meinem Verständnis bereits mit der Adventszeit an. Advent – Vorbereitung auf die Geburt, auf die Ankunft Jesu Christi, die ihren Höhepunkt findet an Weihnachten. Gloria in Excelsis Deo – Ehre sei Gott in der Höhe.

Es folgen: Fastenzeit – Passionszeit – Palmsonntag – Jesus Christus reitet auf einem Esel hinauf nach Jerusalem. Das Volk bereitet ihm einen festlichen Einzug. Jesus kennt das Ende dieses Weges. Dieser Weg endet am dem Kreuz auf Golgatha. „Es ist vollbracht!“ – So endet das Leben – vorläufig. – Die Menschen sind traurig. Sie sind verzweifelt.

Doch dann: „Auferstanden von den Toten.“ Die Verheißung wird wahr an Ostern – er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Und weiter spannt sich der Bogen über die Sonntage Jubilate – Kantate – Rogate. Jubelt! – Singt! – Betet! So begleiten wir den Auferstanden bis zum heutigen Himmelfahrtstag. Der Himmel öffnet sich für Jesus Christus … und damit auch für uns – aufgefahren in den Himmel – er sitzt zur Rechten Gottes.

Für Jesus Christus ist die Himmelfahrt das Ende seines Weges hier auf Erden. Aufgefahren in den Himmel …

Für uns geht der Weg weiter. Gott begleitet uns weiter. Die Ausgießung des Heiligen Geistes werden wir an Pfingsten – also in zehn Tagen feiern. Und der Bogen wird sein Ende finden an Trinitatis – der Feier der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Ein Bogen von Ereignissen – ein Bogen von Feiertagen – ein Bogen vom Advent bis Trinitatis.

Tage, an denen wir Inne gehalten haben.

Tage, an den wir uns erinnern konnten.

Tage, da wir fröhlich waren.

Tage, da wir Kraft und Zuversicht tanken konnten.

Der Bogen kann uns Mut machen. Er kann uns Kraft geben. Denn es gibt mehr als Sorge und Kümmernis. Es gibt die Hoffnung. Unser Gott im Himmel hat uns durch seinen Sohn, der uns begleitet hat, – dessen Weg wir auf dem von mir beschriebenen Bogen mitgehen durften – er hat uns Mut, Kraft und Zuversicht nicht nur gelehrt – er hält sie für uns bereit. Er schenkt sie uns, damit wir leben können und anderen Mut machen können und als Nächste wirken können.

Aufgefahren in den Himmel – sitzend zur Rechten Gottes – von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Fröhlich und zuversichtlich dürfen wir heute feiern: Der Himmel geht über allen auf – auf alle über – über allen auf.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zum Sonntag Rogate

Der Dreiklang aus Jubilate – Kantate – Rogate ist für dieses Jahr vollendet. Rogate – Betet! Laut oder leise, allein oder mit anderen, frei oder mit geprägten Worten: Betet! Im Mittelpunkt des Sonntags steht die Ermutigung zu Gebet und Fürbitte. Das Gebet steht unter der Verheißung des Wochenspruchs: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft!“

Beten – mit Gott in Kontakt treten. Na klar, Beten gehört zu jedem Gottesdienst, für viele zum Ritual am Morgen und am Abend. Reden mit Gott – Bitten herantragen an Gott – mit Mut, weil wir glauben/weil wir wissen, dass er uns zu jeder Zeit zuhört und Antwort gibt – mit Sorge, weil sich immer wieder auch die Frage stellt: Wie kann ich sicher sein, dass mein Gebet nicht ungehört bleibt? Manchem fällt das Beten schwer. Andere erleben es als befreiend, ihr Herz auszuschütten oder in der Stille Gott zu suchen. Der Sonntag Rogate ermutigt zum Gebet.

Es gibt Gebete, bei denen kommt die Frage nach dem Gehörtwerden wohl nur selten auf – zu vertraut ist uns der Text. Wir können im Matthäus–Evangeliums nachlesen: „Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. – Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Ins Auge fällt der Nachsatz. Es geht um Vergebung. Wir bitten im Gebet um Vergebung. Die Verbindung zum Vater im Himmel definiert sich genau über diese Vergebung – für unsere Fehler, für Fehleinschätzungen, für meine Nachlässigkeiten. Wenn wir selbst bereit sind, anderen zu vergeben, wird auch der Herrgott unsere vorgetragenen Bitten aufnehmen und uns vergeben.

Und wenn nicht? Wenn wir nicht bereit sind, Fehlern anderer zu vergeben, dann wird auch uns nicht vergeben werden. Wer also in Gottes Namen bittet und damit bereit ist Vergebung zu leben, der stößt bei Gott nicht auf taube Ohren. Unsere Bereitschaft der Vergebung führt zum Gehör bei Gott – Eigentlich ganz einfach … auf der einen Seite … und auf der anderen Seite bedarf es für ehrliche Vergebung Mut und Kraft. Mut und Kraft wird uns durch Gott immer wieder zusagt. Er lässt sie uns immer wieder spüren. Jubilate – Kantate – Rogate: Sein Wille soll, sein Wille wird geschehen.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zum Sonntag Kantate / Was ist normal?

Tag für Tag, Woche für Woche entfernen wir uns von dem Tag tiefster Trauer, als Jesus am Kreuz gestorben ist; Tag für Tag, Woche für Woche entfernen wir uns von dem Tag, da Jesus von den Toten auferstanden ist. – Tag für Tag, Woche für Woche kehrt immer mehr Normalität ein. Kaum einer, der bis heute nicht gehört hat von der Auferstehung Jesu Christi und auch in der Lage ist, diese Realität zu glauben.

So begannen meine Gedanken zum Sonntag Jubilate und sie haben nicht an Aktualität verloren. – in jeder Beziehung.

Viel wird in diesen Tagen von Normalität gesprochen – die Menschen sehnen sich nach Normalität – auch am 4.Sonntag nach Ostern. Löst die Normalität Freude aus? Von welcher Normalität reden wir? Über welche Normalität freuen wir uns?

Wir dürfen uns freuen, über die Öffnung von Schulen, Läden, Sportstätten, über die Öffnung von Restaurants und Ferienwohnungen – wissend, dass diese Normalität auch Sorge bei dem ein oder anderen bereitet. Sorgen bereiten mir diejenigen, die mit den Ängsten der Mensch spielen und als Verschwörungstheoretiker unterwegs sind und uns glauben machen wollen, dass Corona nur ein Spiel sei, ein Spiel, dass tödlich enden kann.

Noch weiß ich nur eine Antwort darauf, eine Antwort auf die ich vertraue und die mir Mut macht, auch den Verantwortungsträgern in diesem Staat, neue Wege aufzuzeigen, die gegangen werden müssen, damit wir nicht alle abstürzen.

Diese Antwort heißt: Freuet euch – Singet – Betet, so wie es uns zugesagt ist, nicht erst seit Ostern der Auferstehung von Jesus Christus. Jubilate – Kantate – Rogate!

In dem heutigen Psalm 98 lesen wir: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Das heißt doch: – Zuversicht für die vor uns liegende Zeit – aber auch: seid unsichtig und sorgsam. Normalität, die sich über Zuversicht und Glaube an seine Wunder definieren lässt, ist möglich. Jesus Christus ist auferstanden! Er lebt unter uns!

An diese Normalität dürfen wir uns Tag um Tag, Woche um Woche gewöhnen. Mit ein wenig Mut wird es gelingen. Und auch wenn in den Präsenzgottesdiensten unserer Gemeinde ab der kommenden Woche das laute Mitsingen noch nicht wieder möglich sein wird, die Orgel wird ertönen und das leise Mitsummen bekannter Melodien wird uns niemand versagen können.

Wie wär es mit: Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön. Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd. (EG 302)

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zum 3. Sonntag nach Ostern – Jubilate

Bejubelt Gott, alle Länder der Welt! – Jubilate Domini, omnis terra!

Tag für Tag, Woche für Woche entfernen wir uns von dem Tag tiefster Trauer, als Jesus am Kreuz gestorben ist, Tag für Tag, Woche für Woche entfernen wir uns von dem Tag, da Jesus von den Toten auferstanden ist. Tag für Tag, Woche für Woche kehrt immer mehr Normalität ein. Kaum einer, der bis heute nicht gehört hat von der Auferstehung Jesu Christi und auch in der Lage ist diese Realität zu glauben.

Bejubelt Gott, der diese frohe Botschaft hat wahr werden lassen. Bejubelt Gott, der uns vor Augen geführt hat, wie sehr er uns liebt.

Bejubelt Gott – es ist der Sonntag Jubilate, der uns in der Normalität ankommen lässt, losgelöst von Unsicherheit in unserem Glauben, losgelöst von Misstrauen.

Die Fröhlichkeit des Jubels könnten wir herausrufen, wir könnten dazu singen – so wie wir es mit vielen Liedern der Oster– und nachösterlichen Zeit gewohnt sind.

Er ist erstanden, Halleluja! (EG 116) // Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100) // Jesus ist kommen (EG 66). – Viele von uns brauchen das Gesangbuch nicht einmal aufschlagen.

Doch da merken wir, dass eben nichts ist so wie vorher, dass nichts ist wie im vergangen Jahr. Wir sind gehemmt, versteckt hinter einer Maske.

Aber dies sollte uns nicht hindern, die Freude, den Jubel des heutigen Sonntags zu leben – in Stille – und nicht nur an diesem Sonntag, sondern zumindest in der vor uns liegenden Woche.

Wir dürfen und müssen uns klar machen, dass diese Einschränkungen nichts zu tun haben mit der Freude bringenden, von uns angenommenen und durch uns gelebten frohen Botschaft, die wir vernehmen durften am Ostertag.

Es ist der kleine, unsichtbare Virus, der uns bremst. Und er wird uns auch weiter bremsen solange es keinen Impfstoff oder Medikamente gibt. Aber dürfen mit Freude nach vorne schauen, wenn wir uns wieder versammeln dürfen, wenn wir gemeinsam der Musik der Orgel lauschen können und zumindest die Lieder der Osterzeit für uns mitsummen, den Text leise mitsprechen dürfen. – Das ist ein Zeichen, dass es nach vorne geht.

Dieser Sonntag macht uns deutlich, dass wir neben all dem Jubel auch geduldig sein müssen – mit uns selbst – mit den Mitmenschen – mit denen, die durch Entscheidungen in schwieriger Zeit Verantwortung tragen. Wir müssen geduldig sein und dennoch mit Mut den Weg weitergehen, einen Weg der Nächstenliebe, einen Weg, auf dem wir die Botschaft weitertragen, auf einem Weg, auf dem wir uns begleitet wissen.

Mit dieser Freude, mit dieser Geduld und mit diesem Mut wollen wir in die neue Woche starten. – Jubilate Domini, omnis terra!

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zum 2. Sonntag nach Ostern

In den vergangenen Wochen habe ich hier versucht den jeweiligen Sonntag zu betrachten aus christlicher Sicht und unter dem Gesichtspunkt des Verbindenden zwischen evangelischen und katholischen Christen in Telgte, Ostbevern und Westbevern. An diesem Sonntag wird das erstmals schwer. Der morgige Sonntag heißt nach der Agende der evangelischen Christen „Misericordia Domini“, nach katholischer Ordnung „Jubilate“. Am dritten Sonntag nach Ostern, also am kommenden Wochenende ist es dann genau umgekehrt. Warum das so ist – hier mögen die studierten Theologen helfen.

Verbindend ist, dass wir alle einen Sonntag feiern, der durch das Motiv des guten Hirten geprägt ist und daher auch als Guthirtensonntag bzw. Hirtensonntag bezeichnet wird. Und wir feiern alle einen Sonntag in dieser Nachosterzeit, an dem wir Gott zujubeln dürfen, ob der Dinge, die wir an Ostern und den Wochen, die der Auferstehung Jesu Christi folgten, erlebt haben. Beide Themen ergänzen sich. Dank und Zuversicht, dass der Herr uns auf unseren Wegen begleiten – überdeutlich im Psalm 23, in dem wir beten dürfen: Mir wird nichts mangeln, weil der Herr mein Hirte ist, weil er für uns sorgt. Das heißt nicht, dass uns nicht passieren kann, dass wir unverletzlich sind, dass wir immun sind, wenn wir glauben oder weil wir glauben. Aber wir sind behütet und begleite auch dann, wenn wir ein Tief durchleben, wenn es uns einmal nicht so gut geht. Der Herr ist auch in diesen Situationen mit uns unterwegs. Gutes und Barmherzigkeit werden uns folgen unser Leben lang. Wir werden bleiben im Hause des Herrn immerdar. Dessen dürfen wir fröhlich sein, darum dürfen wir jubilieren – und wenn wir Glück haben sogar in Kürze in gemeinsam gefeierten Gottesdienste in unseren Kirche – auch das ein Grund für Dankbarkeit und Jubel.

Also schauen wir auf das Verbindende, auf die Dinge die uns an den beiden kommenden Sonntagen und darüber hinaus verbindet – Dank, Zuversicht und Freude, dass wir behütet und begleitet sind als Christen untereinander und mit unserem Herrgott. Danke.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zum 1. Sonntag nach Ostern

Der 2. Sonntag der Osterzeit heißt Quasimodogeniti. Der Sonntag erinnert uns an dieneue Geburt, die wir durch Wasser und Geist erfahren, d.h. an den Anfang eines neuen Lebens in Christus. Der Sonntag erinnert an die Taufe, an das Sakrament, das mit Ostern eng verbunden ist, einen Brauch, den wir umständehalber in diesem Jahr nicht pflegen konnten. Schmerzlich? Zumindest bedauern es die Menschen, sich nicht in der Kirche zum gemeinsamen Gebet, nicht zum gemeinsam Lob Gottes nicht zur Taufe und nicht zur Tauferinnerung zusammenfinden zu dürfen. Es fehlt etwas. Viele Christen feiern zu Hause. Sie zünden eine Kerze an. Sie erinnern damit an das Licht, das Christus uns in der Osternacht neu geschenkt hat. Sie lesen einen Vers aus der Bibel. Sie erfreuen sich an der frohen Botschaft Gottes, die uns Ostern neu geschenkt wurde. Sie halten Inne in Stille und bedenken, was sich verändert hat im Miteinander der Menschen, auch im Miteinander der Christengemeinde. Sie spüren den Chancen nach, die sich uns auftun, von denen sie hoffen, dass sie Realität werden in der Zeit nach Corona.

Und auch wenn es gut ist, die Ruhe zu Hause zu finden, möchte ich ermutigen, sich auf den Weg zu den Gotteshäuser zu machen, die auch in dieser Zeit zeitlich befristet geöffnet werden. Vielleicht kostet es ein wenig Überwindung. Ich finde es hilfreich, dort zu verweilen. Mir kommen gute, auch neue Gedanken, wenn ich die Osterkerze mit ihrem warmen Licht sehe, wenn ich den Altar sehe, wenn ich aus demKirchenfenster hinaus schaue. Blicke für Dinge in der Kirche, die ich jetzt viel bewusster wahrnehme – wie ein Neugeborener Christus neu erfahren.
Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zu Ostern

Woran denken die Menschen an Ostern. Wenn ich die Medien auswerte, dann geht es um die Auswirkungen von Corona – keine Ausflüge – kein Urlaub – Kontaktverbote – keine Ostergottesgottesdienste (zumindest nicht in der Kirche vor Ort) – Sorge um die Existenz – Sorge um die Gesundheit.

Hallo! – Wir sollten nicht vergessen: Ostern heißt: Er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden – des lasst uns alle fröhlich sein – Halleluja!

Die Glocken der Kirchen beider Konfessionen weisen uns darauf hin. 15 Minuten lang in ökumenischer Gemeinschaft. Es ist eine Zeit der Freude, eine Zeit der Zuversicht, eine Zeit mit Mut der Hoffnung freien Lauf zu lassen. Ostern darf uns auch in diesem Jahr verdeutlichen: Tod und Trauer lassen sich überwinden, Mutlosigkeit und Verdruss können wir hinter uns lassen. – Und wenn es nicht gelingt? Auch zu Jesu Zeiten gab es Menschen, die diese Freude nicht sofort gespürt haben, die diese Freude nicht sofort weitertragen konnten. Aber Stück für Stück, Tag um Tag, hat sich die freudige Botschaft ausgebreitet. Und so wird es auch uns gelingen, wenn wir die Regeln beachten, die das Miteinander auf Abstand ermöglichen.

Dann werden wir mit Blick auf die frohe Botschaft von Ostern uns nicht gefangen nehmen lassen im Denken und Handeln von dem unheimlichen Virus.

Gott gebe uns die Kraft die frohe Botschaft wahrzunehmen und wo immer möglich mutig weiterzutragen – an Ostern und nach Ostern: Er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zu Karfreitag

Am Aschermittwoch begann die Fastenzeit. 40 Tage lang haben sich Christen auf
Ostern vorbereitet. Die Christen sollen in der Zeit des Fasten als äußeres Zeichen
von Buße und Besinnung auf Dinge verzichten, die ihnen angenehm und lieb sind –
etwa auf Schokolade, Nikotin, Alkohol oder das Autofahren.
Am Gründonnerstag ist die Fastenzeit nach 40 Tagen zu Ende gegangen.
Die Fastenzeit hatte in der evangelischen Kirche in diesem Jahr die Überschrift „7
Wochen ohne Pessimismus“. Nicht nur auf Süßes verzichten, sondern sich frei
machen von Furcht, Ängsten und Sorgen, die Gehirnwindungen durchspülen, damit
Platz wird für Hoffnung und Zuversicht.
Als wir in die Fastenzeit gestartet sind, war das sicherlich keine so große
Herausforderung, da Corona uns noch nicht gefangen genommen hatte. In der
zweiten Hälfte der Fastenzeit wurde es von Tag zu Tag schwerer. Die Meldungen
und Berichte in den Medien haben uns, die wir 7 Wochen ohne Pessimismus leben
wollten, vor eine besondere Herausforderung gestellt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen
ergangen ist? Mir ist es nicht an jedem Tag gelungen und ich habe gebetet: Mein
Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.


So vertraue ich darauf, dass der Karfreitag, ein Tag der Trauer und der Stille, uns
allen Kraft geben möge, Ostern in Freude und ohne Pessimismus zu erleben, denn
Karfreitag setzt einen Schlusspunkt: Es ist vollbracht!

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zu Gründonnerstag

Gründonnerstag steht im Zeichen der Gemeinschaft – ein letztes Mal – ein letztes
Mahl … und mit Blick auf Ostern: der Beginn etwas Neuen. Christen feiern dieses
Mahl als Erinnerung und als Zeichen der Gemeinschaft. Christen feiern dieses Mahl
vor unterschiedlichem Hintergrund. Die Feier der Eucharistie und die Feier des
Heiligen Abendmahles unterscheiden sich. Aber beide beruhen auf der gleichen
Begebenheit.
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,
dankte, brach’s und gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und essest, das
ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Desgleichen nahm er auch den Kelch,
dankte wiederum, gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus,
dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird
zur Vergebung der Sünden.


In diesem Jahr können an Gründonnerstag keine Gottesdienste und Messen im
Gedenken an das letzte Mahl von Jesus Christus mit seinen Jüngern vor der
Kreuzigung in der gewohnten Gemeinschaft, in unseren Kirchen gefeiert werden. Die
Gemeinschaft wird von uns Christen gerade jetzt sehr vermisst. Die
Vorstellungskraft, dass die Jüngerinnen und Jünger stellvertretend für uns alle mit
Jesus Christus in geistiger Begleitung unseres Herrgottes das Mahl feiern bzw.
gefeiert haben, fällt vielen Menschen verständlicherweise schwer. Aber wir können
mit dem Mut unseres Glaubens uns Mühe geben, die Gemeinschaft zu denken und
Gemeinschaft nachzuempfinden, denn Jesus Christus macht uns Mut dazu während
des Abendmahles mit seinen Jüngern, indem er sagt: Solches tut zu meinem
Gedächtnis.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken am Palmsonntag

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, die letzte Woche der Passionszeit. Jesus zieht in Jerusalem ein. Er reitet auf einem Esel. Die Menschen jubeln ihm zu. Jesus weiß, was auf ihn zukommt. Er hat vor sich; Kreuzigung, Tod – aber auch Auferstehung; Stationen die wir in der kommenden Woche bedenken werden. Die Menschen, die Jesus zujubeln kennen nicht das Ziel des Weges, auf welchem Jesus ist. Sie werden den Tod erleben, ohne von der Auferstehung etwas zu erahnen. Das unterschiedet die meisten Menschen, die den Palmsonntag vor den Toren Jerusalems live erlebt haben von uns Menschen heute. Wir leben in der Vorfreude auf Ostern, wir leben in der Hoffnung der Auferstehung, wir leben in der Zuversicht des ewigen Lebens.

Noch etwas unterscheidet uns Menschen heute von den Menschen vor den Toren Jerusalems. Trotz Vorfreude, Hoffnung und Zuversicht und fühlen sich viele Menschen unwohl. Sie verstehen, dass jetzt Abstand notwendig ist, aber sie sehnen sich nach Nähe. Sie sorgen sich um Menschen, die krank sind – insbesondere wenn sie positiv getestet sind. Sie haben Angst, wenn sie die Berichte um die vielen Toten in Deutschland und um uns herum hören. Wie gern würden sie gemeinsam mit den Mitchristen Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern feiern – gut, dass es Internet– und Fernsehgottesdienste gibt – aber es ist kein Ersatz. Gut, dass Kirchen geöffnet sind, für ein stilles Gebet – mit dem notwendigen Abstand.

Ich wünsche uns allen, dass es gelingt in der kommenden Woche auf dem Weg auf Ostern zu, sich gefangen nehmen zu lassen von der Freude, die uns mit Blick auf Ostern motivieren kann, den Weg, den Jesus vorangegangen ist, mit Mut mitzugehen – auch in der Zeit heute, wo viele Menschen sich fragen, wo dieser Weg enden mag. – Wir dürfen zuversichtlich sein, weil wir den Weg nie alleine gehen. Unser Herrgott beschützt uns.

Thomas Sohst – Laienprediger der evangelischen Kirche Telgte/Ostbevern–

 

Gedanken am Sonntag Judica

Auch heute durfte ich wieder bei einem Spaziergang durch Telgte in der für 1 Stunde geöffneten Petrus–Kirche Platz nehmen. Ich konnte mich erfreuen am Kerzenlicht auf dem Altar. Es war ruhig. Ich hatte Zeit nachzudenken.Zuhause sitze ich im HomeOffice vor dem Laptop, mal vor dem Computer, beantworte Mails,versuche Dinge nach vorne zu denken, telefoniere um mich abzustimmen und Hilfe Suchenden Mut zu machen.Mut machen – dies ging mir heute auch in der Kirchenbank sitzend durch den Kopf.Ich habe Jesus Christus immer als Mutmacher verstanden; als Mutmacher für Nächstenliebe; als Mutmacher für Hilfe; als Mutmacher für Teilen, als Mutmacher zu vertrauen, als Mutmacher zu hoffen, als Mutmacher zu glauben.Christen sind aufgefordert Jesus Christus auf seinem Weg zu folgen.Ich bin aufgefordert Jesus Christus auf seinem Weg zu folgen.Also ist es unsere, ist es meine Aufgabe als Christ, Mut zu machen.Das gelingt nicht immer – Mut machen kann bedrängen – Mut machen bedarf hinreichender Kraft – wem das nicht immer gelingt ist kein schlechter Christ – unser Herrgott und sein Sohnbegleiten uns auf unserem Weg auch in Zeiten, da es uns weniger gelingt als Mutmacher zu wirken.Mut machen heißt dabei nicht: ich mache Mut und die anderen dürfen dann die Arbeit machen.Mut machen durch Vormachen ist die Devise.Und auch das gelingt uns Menschen nicht immer. Wir sind nicht ohne Fehl. Auch unsere Mitmenschen sind nicht ohne Fehl. Deshalb ist es nicht unsere Aufgabe zu richten.Der Sonntag heißt Judica – richte! Richte mich o Herr (Psalm 43). Gib mir Hinweise, wo ich es übertrieben habe mit dem Mut machen. Gib mir Hinweise, wo ich mehr Mut machen sollte.Und vielleicht sehen wir uns nächsten Sonntag, wenn wir auf dem Spazierweg eine Pause einlegen in der Petruskirche – mit dem notwendigen Abstand – verbunden als ökumenisch handelnde Christen – ich möchte dazu Mut machen.

Thomas Sohst

 

GEDANKEN an LÄTARE

Ich freue mich. Ich sitze in der Kirche an meinem angestammten Platz – wie jeden Sonntag.

Ich freue mich. Die Kirche ist geöffnet. Die Kerzen brennen. Es gibt Musik – wie jeden Sonntag.

Ich freue mich. Ich weiß mich verbunden im Gebet mit meinen Kindern und Enkelkindern – mit meiner Familie – mit den Christen in Westbevern, Ostbevern, Brock und Telgte – mit allen Christen in ökumenischer Verbundenheit – mit den Menschen in Deutschland, Europa und der Welt, auch denen, die einen anderen Glauben haben. – wie jeden Sonntag.

… und dennoch ist es anders – aber ich freue mich am Sonntag Lätare.

(Thomas Sohst)