Gedanken am Sonntag

Gedanken am 8.Sonntag nach Trinitatis

„Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt!“ – das Evangelium des 8. Sonntags nach Trinitatis stammt aus der Bergpredigt Jesu Christi.

Jesus weiß, dass wir alle unterschiedlich sind. Er weiß, dass wir nicht nur gute Tage haben, an denen vieles gelingt. Er weiß um die Kirchennahen und die Kirchenfernen. Er weiß um die körperlich Eingeschränkten. Jesus ist darauf angewiesen, dass wir unterschiedlich sind, denn Christ sein heißt eben nicht: wir sind alle gleich, auch wenn wir an den einen Gott glauben. In der Einheit unseres Glaubens wirken wir. Und deshalb sagt Jesus Christus: „Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt! Ihr werdet alle – auch und gerade – in eurer Unterschiedlichkeit gebraucht.“

Das heißt dann auch: Wir sind das, was diese Welt unbedingt braucht. Wir sind das, worauf diese Welt angewiesen ist, damit sie nicht fade und öde wird, damit sie nicht dunkel bleibt. Damit sie nicht von innen her verfault und verdirbt, sondern mit Zuversicht erhalten bleibt. Wir sind in aller Demut die, die unentbehrlich sind!

Wo sind unsere Stärken, die uns in den Augen von Jesus so interessant und wichtig machen? Eine unserer Stärken ist: Wir haben beste Verbindungen. Wir haben den guten Draht zum Allerhöchsten. Wir haben Gott zum Freund. Wir haben vielleicht nicht immer den Überblick, aber doch einen gewissen „Durchblick“. Beispielsweise den Durchblick, dass immer, wenn sich die Erde über einem Sarg schließt, die Geschichte dieses Menschen nicht zu Ende ist. Der Tod hat nicht das letzte Wort. – Das ahnen, das hoffen, das glauben wir. „Ihr seid das Licht der Welt!“, so Jesus. „An euch können sich andere ausrichten. Das Licht strahlt Zuversicht aus. Das Licht spendet Trost. Ihr könnt als Licht dieser Trostspender sein.“

Das andere ist, dass wir uns der Verantwortung stellen. Wir leben in dieser Welt und übernehmen Verantwortung für diese Erde. Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Innere Motivation. Nicht wegschauen, nicht vorbeigehen. … – Salz der Erde seid ihr, sagt Jesus. Ihr seid dafür auf der Welt, dass sie nicht verfault. Dass sie nicht zerbricht. Dass sie nicht verarmt und verödet. Salz der Erde seid ihr. Ihr habt Verantwortung für den Frieden. Und für die Gerechtigkeit. Und für die Bewahrung der Schöpfung. Lasst das Licht leuchten, damit auch die Unzulänglichkeiten in den dunklen Ecken auffallen. Lasst das Licht am Ende des Tunnels aufglimmen, damit die Menschen sich mit Mut aus dem Dunkel auf das Licht zubewegen.

Ist das Last? Ist das Überforderung? – Nein! Jesus formuliert eben keine Forderungen, sondern er macht Komplimente: „Ihr seid das Licht der Welt, ihr seid das Salz der Erde!“ Er sagt nicht: Strengt euch an, betet dafür und müht euch ab, dass ihr es endlich werdet.

Sondern er stellt fest: „Ihr seid es!“ – Das Salz wirkt. Es wirkt einfach durch seine Eigenschaften. Christen verändern diese Welt einfach dadurch, dass sie da sind.
Das Licht leuchtet. Christen werden gesehen. Das Licht weist den Weg. Das Licht strahlt Zuversicht aus. Licht wärmt und sagt: ich bin bei dir, du bist nicht allein.

Sind wir uns dessen bewusst, geben wir uns – wenn notwendig – mit Mut und Zuversicht einen kleine Ruck, dass wir wirken können als Salz und Licht, damit es gut bleibt oder wird.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken am 7.Sonntag nach Trinitatis

Fröhlich sei das Mittagessen – guten Appetit! Unserm Enkelsohn ist es ein Bedürfnis,
vor dem Essen zu beten und es ist ihm unangenehm, wenn er es vergessen hat. Er
betet vor. Dieses Beten ist ihm und seiner kleine Schwester wichtig. Deshalb nenne
ich es auch bewusst nicht Ritual – weil es sicherlich mehr ist. Es gibt das Beten in einer
Langfassung und in verschiedenen Kurzfassungen – je nach Müdigkeit und Hunger.
Ausreichend Nahrung ist nicht selbstverständlich. Dafür muss man nicht nur in die
südlichen Kontinente schauen. Deshalb ist Dankbarkeit angesagt.
Ich werde täglich satt, trotzdem habe ich immer wieder einen ungeheuren Durst nach
Mehr. Ich sehne mich nach etwas, das ich nur schwer beschreiben kann. Ich habe so
viel – und trotzdem bin ich manchmal ganz leer. Das macht deutlich, dass es bei Hunger und Durst nicht nur um die Nahrungsaufnahme im körperlichen Sinne geht.
Genau so richtig ist es, dass der Mensch nicht nur vom Brot allein lebt. Lebensnotwendig ist auch geistige und geistliche Nahrung, um Kraft zu haben, um nicht die Orientierung zu verlieren. Die Frage, ob es eine Wertigkeit gibt und ob die Aussage – ohne
Mampf kein Kampf – vorne stehen muss, sollte uns weniger berühren, solange wir
nicht eins von beiden vergessen – weder mit Blick auf uns und die nahen und fernen
Mitmenschen noch mit Blick auf unsere Umgebung mit vielen wichtigen Themen.
Der 7.Sonntag nach Trinitatis steht im Blick des
Hungerstillens. Im Abendmahl – im Mahl am
Tisch des Herrens – werden Körper, Geist und
Seele im übertragenen Sinne aber auch real
zusammengeführt. Brot und Wein stiften Verbindung mit Gott und unter denen, die miteinander teilen und feiern. Essen und Trinken, Feiern
und Teilen sowie große Gastfreundschaft gehören zum christlichen Glauben.

Jesus nahm die natürlichen Bedürfnisse der Menschen ernst,
sättigte Tausende mit fünf Broten und zwei Fischen und saß mit unterschiedlichsten Menschen zu Tisch. Im Abendmahl setzen
Christen von Anfang an diese einträchtige Tischgemeinschaft fort und nehmen die Zeit
vorweg, in der der Hunger nach wahrem Leben gestillt sein wird.

Und auch wenn es momentan schwierig ist, das
Abendmahl gemeinsam in allen Teilen zu feiern, so können wir uns auch an diesem Sonntag innerlich über das Gemeinsame freuen –
gemeinsam Gottesdienst feiern, gemeinsam innerlich verbunden Beten, zusammensitzen und zusammenstehen – auf Abstand Gemeinschaft genießen, wissend das derjenige, der unser Beisammensein ermöglicht, der unser Beisammensein segnet, mitten unter uns ist.
Gemeinschaft genießen ist das eine – Gemeinschaft organisieren das andere – und
auch das macht uns als Christinnen und Christen aus. Jemanden einladen. Das
Thema des Sonntags regt mich an und darf uns alle anregen, einmal wieder eine Einladung auszusprechen – an Menschen, die es besonders brauchen.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken am 6.Sonntag nach Trinitatis

„Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.“ So beginnt eines des mir am geläufigsten Gottes–Liebes–Liedes. Es passt so gut zu einem Sonntag, der der Tauferinnerung gewidmet ist.

In dem heutigen Predigttext aus dem 5.Buch Mose geht es darum, dass Gott das Volk Israel erwählt hat. Er hat es aus der ägyptischen Gefangenschaft und später auch aus Babylon befreit, er hat es durch die Wüste geführt bis in das versprochene Land.

Durch Jesus Christus haben wir Christinnen und Christen Anteil an der Erwählung des Gottesvolkes. Durch Jesus Christus hat Gott einen neuen Bund mit uns geschlossen. Das Zeichen dieses Bundes ist die Taufe. Durch die Taufe sind auch wir erwählt. Gott hat uns durch die Taufe seine Liebe zuteil werden lassen, Liebe, die wir spüren wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.

Gott hat sein Volk, Gott hat uns Menschen erwählt. Erwählung hat mit Trost und Schutz zu tun. Wie ein schützender Mantel legt sich Gottes Fürsorge um uns herum – wo auch immer wir unterwegs sind.

Erwählung ist das entscheidende Merkmal für die Beziehung zu Gott. Dabei ist deutlich: Gott erwählt. Er wendet sich mir zu. Ich habe zunächst eine passive Rolle.

Aktiv werde ich erst, wenn ich auf die Erwählung reagiere, wenn ich sie aktiv in Anspruch nehme, wenn ich mein Leben bewusst unter den Segen Gottes stelle, indem ich Gott in meinem Leben Raum gebe.

Das heißt nicht, dass mein Leben nur auf hellen, geraden Wegen verläuft – ganz sicher nicht. Es heißt vielmehr, dass ich auch auf den Wegen, die durch Täler führen, die manchmal dunkel und unwegsam sind, dass ich dort nicht allein bin.

Gott führt mich. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürcht ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“ Das sehe ich, wenn ich wieder aufsteigen kann aus einem Tal der Tränen und zurückschaue.

Bei all den positiven Gedanken zum Thema Erwählung löst der Begriff allerdings in mir auch manchmal ein nachdenkliches Gefühl aus. – Warum ich? Unter vielen ausgewählt zu werden, hat ja etwas mit Bevorzugung zu tun. Was war der Grund, das Volk Israel zu bevorzugen? Was gibt für uns als Getaufte einen Grund, bevorzugt zu werden?

Die Antwort ist sehr schlicht: Nichts!  –  Es gibt keinen Grund!

Einzig und allein Gottes Liebe zählt! Gottes Liebe ist grundlos. Gottes Liebe gilt allen Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Bildung, Vermögen. Die Liebe Gottes kann ich mir nicht erarbeiten oder verdienen. Gottes Liebe und Fürsorge verbindet uns mit ihm.

Für uns Christinnen und Christen ist dieses Bindeglied Jesus Christus. In ihm zeigt sich Gottes Liebe zu uns.

Und daran erinnern wir uns heute am „Tauferinnerungssonntag“ ganz besonders:

Wir sind getauft, auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir sind in der Taufe unzertrennlich mit dem dreieinigen Gott verbunden sind. Egal, ob wir als Säuglinge, Jugendliche oder Erwachsene getauft werden.

Gottes Versprechen gilt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken am 5.Sonntag nach Trinitatis

Just do it – tu es einfach. Ist das gut und richtig? Ohne nachzudenken, einfach Dinge tun, die besser gründlich überlegt sind.

So haben auch die Fischer um Simon Petrus am See Genezareth sich gefragt von denen im Lukas–Evangelium berichtet wird, als sie nach schwerer – aber erfolgloser Arbeit – am Ufer des Sees saßen. Es war mittlerweile Tag geworden und auch schon sehr warm. Fische suchen immer die Kälte und weichen der Wärme aus. Und so tauchen die Fische im See Genezareth tagsüber auf bis zu 40 Meter ab. Und da konnten die Fischer mit ihren Netzen nun mal so gar nichts ausrichten. Und jetzt sagt Jesus, dass sie etwas tun sollen, was bar jeder Vernunft ist. Man geht doch besser nach Hause und ruht sich aus für die nächste Nacht, die dann hoffentlich erfolgreicher verlaufen wird.

Aber irgendwann sagt dann Simon Petrus: „Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen!“ Und wir erleben, was geschah. Soviel wir bei diesem Fischzug hatten die Fischer noch niemals in ihrem Leben gefangen. Sogar die Besatzung eines anderen Bootes musste aushelfen, um die Netze an Land zu ziehen.

Just do it – tu es einfach. Wir kennen Situationen in unserem Leben, wo wir gut daran getan haben, nochmals darüber nachzudenken und nicht auf den erstbesten Rat zu hören. Und wir kennen Situationen, wo wir intuitiv das Richtige getan haben.

Zufall? – Ich glaube nicht an Zufälle. Es muss mit Jesus Christus zu tun haben. Es muss mit ihm zu tun haben, da es um Vertrauen geht. Jesus Christus ist eine Person, die absolut vertrauenswürdig ist. Menschen, die in seinem Namen unterwegs sind, verdienen unser Vertrauen.

Simon tut es unendlich Leid, dass er dieses Vertrauen nicht sofort, vielleicht sogar wiederwillig aufgebracht hat. „Herr, geh fort von mir! Ich bin ein Mensch, der voller Schuld ist!“ Und Jesus antwortet mit den Worten, die wir so häufig hören: „Fürchte dich nicht!“ Es ist wohl der häufigste Satz, den wir in der Bibel, sowohl im Alten Testament, als auch im Neuen Testament lesen können.

Dieses göttliche „Fürchte Dich nicht!“ ist etwas anderes als das ganz lapidare menschliche „Davor musst du keine Angst haben“. In diesem göttlichen Fürchte dich nicht steckt die gesamte Allmacht Gottes.

Gott liebt uns und will nur das Beste für uns. Und daher dürfen wir dem, der sagt. „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ mehr vertrauen als irgendwelchen Wirtschaftsweisen, Virologen und anderen selbsternannten Zukunftsdeutern.

Derjenige, der Himmel und Erde gemacht hat, regiert diese nämlich von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und wenn derjenige zu mir sagt: „Fürchte dich nicht!“, dann kann das, dann darf das beruhigend für mich sein. Dann ist das beruhigend für mich.

Natürlich lösen sich nicht alle Probleme auf einmal, aber mit dieser Zusage im Gepäck kann ich neuen Mut und Kraft für meinen Weitermarsch auf Erden sammeln und muss nicht verzagt in der Ecke hocken und darauf warten, was denn noch alles schiefgehen mag.

Ich wünsche allen Lesern, dass das auch in der kommenden Woche erlebbar wird – Fürchte dich nicht! – Just do it.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken am 4. Sonntag nach Trinitatis

Neid erzeugt weiteren Neid – Hass erzeugt weiteren Hass … und aus Worten werden dann irgendwann Taten – und dann erzeugt Gewalt – Gegengewalt.

Wir haben heute einen friedlichen Gottesdienst gefeiert haben, wie viele im Münsterland, in Deutschland, in Europa – friedlich. Wir haben die zusätzlichen Regeln beachtet, die dem Gesundheitsschutz dienen (sollen). Wir haben Frieden erlebt. Wir haben mit unseren Gebeten zum Frieden aufgerufen.

Und dennoch erleben wir in unserem Alltag Neid und Missgunst – und sei es nur, weil die Regeln zum Gesundheitsschutz so unterschiedlich sind. Wir werden immer wieder geschockt durch Berichte über Hass, Hass, der sich zunehmend über verbale Attacken hinaus auch zur Gewalt gegen Sachen, aber auch gegen Menschen Bahn bricht.

Paulus ruft den Bürgern in Rom, aber auch uns zu: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.“ Wie aktuell diese Botschaft, wie passend diese Aufforderung – und wie schwer diesen Worten Taten folgen zu lassen! Wir fragen uns: was ist denn noch erlaubt? Wie passt das zusammen mit der Aufforderung zur Nächstenliebe, die auch mal eines klaren Wortes bedarf? Wo ist die Grenze zwischen dem Hinweis, dass eine bestimmte Grenze des Miteinanders überschritten ist und der Drohung, dass man sich das ein zweites Mal nicht wird gefallen lassen? Das Zurückschlagen mit den gleichen Waffen wird eskalierend wirken. Es gibt kein Patentrezept. Wir dürfen uns ausrichten an den Worten des Paulus: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ Vielleicht ist das das Zeichen, das wir senden können, um Neid, Missgunst, Hass und Gewalt zu verhindern, zumindest auf niedrigem Niveau zu halten.

Es ist nicht an uns zu richten. An uns ist es, den Frieden zu bewahren und Frieden zu gestalten – selbst dann, wenn es in uns brodelt, wenn es zum Aus-der-Haut-Fahren ist. An uns ist es auf die Nächsten zuzugehen und Ihnen Hilfe anzubieten, Dinge einzuordnen, Anregung zu geben, die Dinge wieder auf den rechten Weg zu bringen.

“Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, sagt Paulus Wir dürfen uns nicht verleiten lassen, jemandem ein Bein zu stellen, selbst dann nicht, wenn er uns über die Klinge springen lassen wollte. Es gibt immer einen guten Grund, die Hand auszustrecken und darauf zu vertrauen, dass das Miteinander wieder möglich wird.

Jesus Christus ermutigt uns zum Vergeben. Er tut es immer wieder. Wer in dem Bewusstsein lebt, dass Gott ihm barmherzig entgegenkommt, der kann immer wieder versuchen, versöhnt, versöhnend, versöhnlich zu leben. Wir sollten es auf einen Versuch ankommen lassen. Es wird nicht leichter, als Christ in dieser Welt seinen Glauben zu leben und zu diesem zu stehen. Die barmherzige, firedenstiftende Liebe Gottes ist uns Motivation und wird kraftspendend wirken. Die Welt wird überrascht sein, wenn wir Gutes tun, wo eigentlich Böses erwartet worden wäre. Versuchen wir in der vor uns liegenden Woche – das Unerwartete zu tun. Ich wünsche, dass es uns gelingt.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken am 3. Sonntag nach Trinitatis

… und da ist er wieder der Lock–Down – zumindest im Kreis Warendorf. Ich habe in den letzten Tagen viele Menschen getroffen, die das ungerecht finden – ich kann mit Ihnen mitfühlen. „Machen sich das diejenigen, die zu entscheiden haben, leicht?“ – Ich denke nicht. Ich möchte nicht an deren Stelle sitzen. Mir macht Sorge, dass Menschen erleben, dass sie stigmatisiert werden, weil sei ein Auto mit dem Kennzeichen WAF fahren und damit deutlich wird, woher sie kommen. Sie werden gemieden, ausgegrenzt, obwohl die Menschen wissen sollten, dass die meisten Menschen nie Kontakt zu den Arbeitern in Gütersloh hatten.

Was hat diese Pandemie mit den / mit uns Menschen gemacht? Werden wir zu Einzelkämpfern? – Bleibt die Hoffnung, dass die Ausgegrenzten lernen, weil sie jetzt nachempfinden können, wie es anderen Ausgegrenzten geht?

Frieden auf Erden – das ist das, wonach wir Christen streben. Was soll die Diskussion um Drohnen, nukleare Teilhabe Einsatz von Streitkräften außerhalb von Deutschlands, wenn wir an dem Frieden untereinander scheitern – in Halle, Stuttgart, Münster … ?

Es ist zum Verzweifeln … – könnte man meinen.

Aber, es gilt auch: Wer anfängt aufzuhören, hört auf anzufangen. Auch wenn es aussichtslos erscheint, wenn der Blick verstellt ist auf diejenigen, die gestern noch mit uns unterwegs waren, wenn die Zahl der Aufrechten scheinbar kleiner wird … Wer anfängt aufzuhören, hört auf anzufangen.

Über dem heutigen Sonntag steht die Überschrift: Gott will nicht, dass Menschen verloren gehen. Was bei Menschen oft nicht mehr geht, das ist bei Gott möglich.

Gott lässt uns unsere Wege gehen. Er begleitet uns. Er lässt uns unsere Fehler machen. Doch er lässt uns nicht fallen. Er wartet. Er geht uns entgegen. Er feiert ein Fest für und mit denen, die verloren schienen.

Lasst uns für den Frieden im Kleinen unterwegs sein. Wenn das gelingt, wenn der Friede im Kleinen wächst, dann wird die Zahl der Streiter für den Frieden im Großen zunehmen und wir werden eine Chance haben.

Langt das? Ich denke schon. Wir müssen nur wieder anfangen. Ich kann nachvollziehen, dass man ob der großen Sorgen scheinbar keine Kraft hat, sich den kleinen Sorgen zuzuwenden. Wir werden die großen Sachen nur bewegen, wenn wir viele von dem Weg überzeugen, dem Weg in der Gewissheit und der Zuversicht auf Jesus Christus, wenn wir uns um ihn gesammelt haben. Mut und Zuversicht bedarf es.

Auch Jesus Christus hat Phasen erlebt, wo keiner mehr mit ihm gehen wollte, wo er einsam war. Da war es sein Vater, der ihm Mut und Zuversicht mitgegeben hat. Warum soll bei uns dieser Mut nicht auch wirken? Warum sollen wir nicht Zuversicht ausstrahlen können?

Bringen wir es unserer Nächsten bei! Bringen wir es unsern Kindern und Enkelkindern bei! Wir müssen und wir können sie stark machen, den Weg zu gehen, den ein anderer vor uns gegangen ist bis zum Kreuz. Wir dürfen vertrauen und Mut machen, gemeinsam mit uns diesen Weg zu gehen.

„Wir gehören zusammen, ich gehöre dazu, keiner soll allein sein, wichtig bist auch du!“

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken am 2. Sonntag nach Trinitatis

Die Idee meine Gedanken zum jeweiligen Sonntag schriftlich zu fassen und im Internet und per Mail zur Verfügung zu stellen, stammt aus der Zeit, da Corona, keine gottesdienstliche Gemeinschaft in unseren Kirchenräumen zuließ. Mittlerweile gehört das Aufschreiben von mich bewegenden Gedanken zum wöchentlichen Rhythmus dazu. Mal schauen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Ich merke jedoch: Orientierung suchen die Menschen nach wie vor. Und manch geteilter Gedanken wird als hilfreich empfunden.

Die Zeiten sind unruhig (geblieben). Manche wünschen sich eine Zeit, wie sie war – vor Corona. Viele wissen, dass diese Zeit nicht zurückkehren wird. Viele Menschen machen sich Gedanken um sich, um die familiäre Gemeinschaft, um die Gemeinschaft in der dichteren und weiteren Umgebung. Sie suchen nach Orientierung.

Da passt der Spruch, der uns für die kommende Woche mitgegeben wird: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ So können wir im Matthäus–Evangelium nachlesen. Diese Worte wendet Jesus Christus auch an uns. Es ist die offene Einladung, ohne Vorbedingungen, keine Auflagen, keinen Mund– und Nasenschutz, kein Eintrittsgeld – jeder darf kommen. Und neben den Mühseligen und Beladenen dürfen auch die zu ihm kommen, die noch Kraft und Mut haben, Menschen die Kraft und Mut geschöpft haben nachdem sie in der Vergangenheit auch Phasen erlebt haben, da sie mühselig und beladen waren, Menschen, die erzählen können, dass solche Phasen zu überwinden sind, die Erfahrungen weitergeben können, wie sie diese Phase überwunden haben.

Mitten in dieser Gemeinschaft von Menschen, die suchen und von Menschen, die geben, dort steht Jesus Christus und versammelt uns um sich. Er gibt Orientierung, so dass wir vorgegebene Wege gemeinsam gehen können.

Auch wenn wir wissen, dass es so ist, brauchen wir von Zeit zu Zeit diese Zusage und diese Einladung. In einer Zeit von Ablenkung, von Verlockungen, von bewusst falsch aufgestellten Wegweisern, ist es gut, dass uns diese Zusage immer wieder erreicht. Auch wenn die Botschafter dieser guten Nachricht immer wieder einmal andere sind, wissen wir um den Ausgangpunkt. Sie kommt von Jesus Christus, von dem wir vor 2 Wochen wahrgenommen haben, dass er sich in der Dreieinigkeit mit seinem Vater und dem Heiligen Geist uns immer wieder zuwendet.

Einladungen werden versendet oder mündlich ausgesprochen. An uns liegt es, ob wir die Einladung annehmen, ob wir aus der Einladung etwas machen. Nur wer dabei ist, hat die Chance, Mut machende Mitmenschen zu finden, den Trost suchenden Nächsten beizustehen. Nur wer sich auf diese Einladung einlässt, hat die Chance zu nehmen und zu geben. Wer sich außerhalb der Gemeinschaft stellt, wer vor der Tür stehen bleibt, vertut eine Chance. Auch die nächste Woche wird Chancen für uns bereit halten – nutzen wir sie, insbesondere, wenn wir mühselig und beladen sind.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken am 1. Sonntag nach Trinitatis

Die Trinitatiszeit hat die liturgische Farbe grün. Grün bedeutet für viele von uns Wachsen. Wachsen heißt gedeihen und größer werden. Dieses Jahr hat es um Trinitatis herum nach Wochen der Trockenheit wieder begonnen zu regnen. Wasser ist wichtig für das Wachstum, das Gedeihen von Getreide, Mais, Obst und Gemüse. Ob der Regen noch zeitgerecht kam, werden die nächsten Wochen erweisen. Dann werden wir sehen, ob die Mischung stimmt bzw. gestimmt hat – die Mischung aus Wasser, Wärme und Sonne.

Für uns Menschen ist das Wachsen in der Natur wichtig, schafft es doch einen Teil der Lebensgrundlage. Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Die Trinitatiszeit soll uns Wachsen lassen im Glauben. Hier sind wir selbst gefragt. Auf der Grundlage der Erlebnisse der vergangenen Wochen und Monate, sollen wir gefestigt werden, sollen wir uns weiterentwickeln im Glauben.

Wasser, Wärme und Sonne wünschen wir uns für das Gedeihen der Natur. Mut, Kraft und Vergewisserung brauchen wir für das Wachsen im Glauben. Die Mischung macht’s.

Immer wieder gibt es Anfechtungen, Unsicherheiten, Ablenkungen, die uns auch Fehler machen lassen. Ja, niemand ist davon frei. – Auch ich nicht. Auch ich schätze die Dinge manchmal falsch ein – in der Familie, im Beruf. Ein unbedachtes Wort, eine Fehleinschätzung der Lage, zu sehr auf das eigene Ich bedacht, auf den eigenen Vorteil geschaut als auf das Wirken in der Gemeinschaft. … und wenn man es dann merkt, ist es meist zu spät.

Wie kommen wir aus der Sackgasse raus? Was hilft, den Fehler nicht erneut zu machen? Wie können wir lernen? Mut, Kraft und Vergewisserung bedarf es. Dies können wir saugen aus unserem Glauben. Der Glaube wächst uns zu, Wege werden angeboten und aufgezeigt. Wir können den Glauben wahrnehmen, wenn wir aufmerksam sind.

Aber unsere Aufmerksamkeit wird häufig gestört. Medien, die auf uns einwirken – Fernsehen, Facebook, Twitter – viel – sehr viel – manchmal zu viel. Aber es ist Realität – und weglaufen wird nicht gelingen. Wir werden eingeholt werden.

Was dann? Vielleicht von Zeit zu Zeit bewusst zur Ruhe kommen. – – – Im Urlaub sich an den Strand setzen und auf das Meer hinausschauen. Sich an den Gebirgsbach setzen und das Fließen des Wasser beobachten. Sich im Regen auf eine Bank setzen und auf den Regenbogen warten. Sich in eine Kirche setzen und sich beeindrucken lassen von Nüchternheit oder opulenter Malerei. Einem Gottesdienst beiwohnen, gemeinsam beten, gemeinsam singen, Gemeinschaft genießen. Sich vom nächsten inspirieren lassen.

Wir werden Mut, Kraft und Vergewisserung erfahren für uns, die uns stark machen zu teilen mit dem Nächsten, abzugeben dem Verletzten auch denjenigen zu denen wir ungerecht waren, wo wir schuldig geworden sind – damit wir uns wieder grün werden.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken am Sonntag Trinitatis

Trinitatis – Gott: Vater + Gott: Sohn + Gott: Heiliger Geist – Dreieinigkeit.

Drei in Einem – Einer von Dreien.

Der Sonntag Trinitatis ist ein Einschnitt im Kirchenjahreskreislauf. Einschnitte geben Gelegenheit einen Orientierungshalt einzulegen. Wenn wir zurückblicken, dann nicht um festzustellen, ob wir erfolgreich waren, zu messen, wie erfolgreich wir waren, auch nicht traurig, weil manches nicht gelungen ist. Wenn wir zurückblicken allenfalls um zu lernen – hauptsächlich aber dankbar, weil der Rahmen, die linke und rechte Grenze bestimmt ist und nach vorne projiziert uns den weiteren Weg zeigt. So ist es auch am heutigen Sonntag.

Wir lernen aus den Erfahrungen der Adventszeit, der Geburt Jesu Christi an Weihnachten, der Auferstehung nach dem Tod am Kreuz, der Himmelfahrt und des Pfingstfestes. Wir lernen aus dem Vorbild von Jesu Handeln unter uns. Wir lernen aus der Wegbegleitung Jesu durch seinen Vater.

Dies kann uns Mut machen auf unserem Weg durch die Zeit der Trinität. Die Sonntage werden bezeichnet bis zum Ende des Kirchenjahres als gezählte Sonntage nach Trinitatis.

Vor uns liegt ein Weg bis zum Ende des Kirchenjahres und darüber hinaus. Ein Weg, den wir mutig gehen können, weil er links und rechts markiert ist. Ein Weg, den wir gehen können, weil wir gelernt haben, dass Gott Kraft für diesen Weg nicht nur seinem Sohn gegeben hat, sondern dass er uns allen Kraft gibt, diesen Weg zu gehen. Ein Weg, den wir gehen im Vertrauen auf seine Wegbegleitung, die uns Zeichen geben wird, wenn wir Gefahr laufen, geschwächt von dem Weg abzuweichen.

Ein Weg, den wir gehen nicht alleine nur für uns gehen, – gebeugt, den Blick nach unten gerichtet, weil wir Sorgen haben fehlzutreten oder abweichen zu können.

Wir wollen und dürfen den Weg gehen mit einem nach vorne gerichteten Blick, damit wir Fröhlichkeit ausstrahlen. Ein Weg, auf dem wir die Aufgaben, die uns aufgetragen wurden, erfüllen wollen. Wir können Fröhlichkeit ausstrahlen, weil wir gekräftigt, mutig und voller Hoffnung und Zuversicht unterwegs sein dürfen. Diese Fröhlichkeit soll den Mut, der uns Gottes Kraft erleben lässt, auf unsere Nächsten überspringen lassen, damit die Fröhlichkeit auch dort leben kann, auch dort erlebbar wird. Fröhlichkeit und Mut lassen uns und unsere Nächsten die Kraft der Trinität gemeinsam erleben.

Wir gehen unseren Weg aufmerksam, um den Nächsten zu erkennen, der unserer Hilfe bedarf. Wir werden einen Weg gehen, der uns die Liebe Gottes erleben und in uns leben lässt, damit wir uns kreativ gestaltend unseren Mitmenschen zuwenden können.

Trinitatis bietet uns die Möglichkeit bewusst nach vorne zu schauen – mutig, gekräftigt, voller Zuversicht im Glauben an + Vater + Sohn + Heiligen Geist +

Zuversicht im Glauben an unseren dreieinigen Gott.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zu Pfingsten

Ehre sei Gott in der Höhe! – Ein Kind ist uns geboren!
Es ist vollbracht! – Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden
O komm du Geist der Wahrheit und ziehe bei uns ein!

Mit dieser Einleitung wollen wir an diesem Pfingstfest nochmals auf die Linie von Ereignissen schauen, die wir in den vergangenen 6 Monaten bewusst erlebt und in diesem Jahr in besonderer Art gestaltet haben. Diese Worte haben in uns gewirkt, sie haben etwas mit uns gemacht – wenn wir das Wirken zugelassen haben.

Warum feiern wir Pfingsten?
Meine Antwort darauf: Damit wir durch Gottes Heiligen Geist den christlichen Glauben verstehen. Damit wir als Gemeinde zusammenwachsen.
Der christliche Glaube bedeutet: Es muss mehr geben als das, was den Alltag vieler Menschen ausmacht. Der Heilige Geist lässt in unserem Herzen die Frage erwachsen: Gibt es mehr als ein schönes Haus, eine nette Frau, wohlgeratene Kinder, schöne Urlaubsreisen und schicke Kleider?
Dieses „mehr“ ist jemand, der hinter all diesem steht, der Ursache von allem ist und allem einen Sinn zu verleihen vermag. Dieses Mehr ist kein Zufall. Dieses Mehr ist unser christlicher Glaube, den wir leben, den wir erleben, den wir gestalten können – immer in der Gewissheit, dass wir nicht alleine sind.
Im Glaubensbekenntnis, das wir im Gottesdienst als Antwort auf das gehörte Evangelium sprechen, beten wir: „Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Was bekennen wir da eigentlich? Wir geben die Antwort auf diese Frage im Glaubensbekenntnis selbst, wenn das Wirken des Heiligen Geistes näher bestimmt wird durch die Worte: „die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“
Kirche und Gemeinschaft der Heiligen bilden den Rahmen, in dem der Heilige Geist erlebt werden kann. Dort wird die Vergebung der Sünden erfahren und zugesprochen, die wiederum die Voraussetzung für den Zugang zum Vater, also das ewige Leben, bildet. Das alles schafft der Heilige Geist. Das macht unseren christlichen Glauben aus.
Der Heilige Geist will wirken, dass wir uns gegenseitig verstehen. Verstehen ist mehr als die gleiche Sprache sprechen. Wie wichtig das ist, merken wir spätestens dann, wenn unterschiedliche Meinungen und Einschätzungen, die es auch im Glauben gibt, aufeinander stoßen. Der Heilige Geist ist hier der große Vermittler und Übersetzer – auch innerhalb und zwischen den christlichen Religion und über diese hinweg im interreligiösen Dialog.
Den anderen verstehen, heißt ja nicht seine Meinung zu teilen, sondern zu verstehen wie er zu der Meinung kommt und auszuhalten, dass wir in Jesus trotz unterschiedlicher Meinungen Geschwister sind.
Der Heilige Geist ist seit Pfingsten ausgegossen und wirkt unter uns. Er ist kein Sonderbonus, den nur besondere Christen erhalten, sondern jeder von uns darf sein Wirken erleben. Die Frage ist nur, ob wir ihn wirken lassen. Dazu gebe uns Gott Kraft und Mut.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zu Exaudi

Letzter Sonntag in der Osterzeit – Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Wir schauen von Himmelfahrt Richtung Pfingsten. Jesus hatte Abschied von seinen Jüngern genommen. Dieser Abschied trägt in sich die Verheißung des Wiedersehens: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen“.

Die Jünger und die Christen warten. Jesus hat seinen Jüngern versprochen, sie sollen darauf warten, dass Gott ihnen einen Tröster schicken wird. Und die zehn Tage bis Pfingsten waren seine Jünger natürlich gespannt wie die Erfüllung des Versprechens aussehen würde.

Der Sonntag Exaudi spiegelt die Spannung wider, in der die Jünger sich befanden, nachdem ihr Herr gen Himmel aufgefahren war. Sie wissen um die Verheißung des Geistes, haben ihn aber noch nicht erfahren. Sie leben in einer kaum erträglichen Spannung, denn das Vergangene hat nun keine Bedeutung mehr, und das Zukünftige hat noch keine Kraft. Die Gegenwart, in der sie machtlos sind, wird übermächtig und scheint sie zu fesseln.

In diese Spannung hinein erklingt als Erinnerungsruf die Rede Jesu, in der er den Tröster, seinen Geist, verheißt, über den heute gepredigt wird/wurde. Er stammt aus dem Buch des Jeremia. „So spricht der Herr: Es kommt die Zeit, in der ich mit dem Volk Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließe. Der neue Bund, den ich mit dem Volk Israel schließe, wird ganz anders aussehen: Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen.“

Jesus Christus zur Rechten Gottes. Gott, der einen neuen Bund verspricht, einen Bund zwischen ihm und uns Christen. Ein Bund fürs Leben, ein Bund, damit wir leben, eine Bund für ein gemeinsames Miteinander, ein Bund für die Ewigkeit. Wird der Bund halten? Fragen über Fragen.

Der neue Bund wird uns „ins Herz geschrieben“. Der neue Bund soll unser „Denken und Handeln bestimmen“. Der neue Bund führt uns aktiv in die christliche Gemeinde.

Freuen wir uns auf das, was an Pfingsten passieren wird – warten wir freudig mit dem Pfingstlied: O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, // verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. // Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, // dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zu Himmelfahrt

Aufgefahren in den Himmel – er sitzt zu rechten Gottes!

So beten wir es im Glaubensbekenntnis, dem Herzstück unseres Glaubens. Jeden Sonntag sind diese Worte fester Bestandteil der Liturgie. Bekenntnis – aber auch (Selbst) – Vergewisserung!

Die Himmelfahrt Jesu Christi hat eine Vorgeschichte. Und Himmelfahrt ist auch nicht das Ende einer Geschichte. Himmelfahrt ist Teil eines großen Bogens von Ereignissen und Geschichten.

Dieser Bogen bis zur Himmelfahrt fängt nach meinem Verständnis bereits mit der Adventszeit an. Advent – Vorbereitung auf die Geburt, auf die Ankunft Jesu Christi, die ihren Höhepunkt findet an Weihnachten. Gloria in Excelsis Deo – Ehre sei Gott in der Höhe.

Es folgen: Fastenzeit – Passionszeit – Palmsonntag – Jesus Christus reitet auf einem Esel hinauf nach Jerusalem. Das Volk bereitet ihm einen festlichen Einzug. Jesus kennt das Ende dieses Weges. Dieser Weg endet am dem Kreuz auf Golgatha. „Es ist vollbracht!“ – So endet das Leben – vorläufig. – Die Menschen sind traurig. Sie sind verzweifelt.

Doch dann: „Auferstanden von den Toten.“ Die Verheißung wird wahr an Ostern – er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Und weiter spannt sich der Bogen über die Sonntage Jubilate – Kantate – Rogate. Jubelt! – Singt! – Betet! So begleiten wir den Auferstanden bis zum heutigen Himmelfahrtstag. Der Himmel öffnet sich für Jesus Christus … und damit auch für uns – aufgefahren in den Himmel – er sitzt zur Rechten Gottes.

Für Jesus Christus ist die Himmelfahrt das Ende seines Weges hier auf Erden. Aufgefahren in den Himmel …

Für uns geht der Weg weiter. Gott begleitet uns weiter. Die Ausgießung des Heiligen Geistes werden wir an Pfingsten – also in zehn Tagen feiern. Und der Bogen wird sein Ende finden an Trinitatis – der Feier der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Ein Bogen von Ereignissen – ein Bogen von Feiertagen – ein Bogen vom Advent bis Trinitatis.

Tage, an denen wir Inne gehalten haben.

Tage, an den wir uns erinnern konnten.

Tage, da wir fröhlich waren.

Tage, da wir Kraft und Zuversicht tanken konnten.

Der Bogen kann uns Mut machen. Er kann uns Kraft geben. Denn es gibt mehr als Sorge und Kümmernis. Es gibt die Hoffnung. Unser Gott im Himmel hat uns durch seinen Sohn, der uns begleitet hat, – dessen Weg wir auf dem von mir beschriebenen Bogen mitgehen durften – er hat uns Mut, Kraft und Zuversicht nicht nur gelehrt – er hält sie für uns bereit. Er schenkt sie uns, damit wir leben können und anderen Mut machen können und als Nächste wirken können.

Aufgefahren in den Himmel – sitzend zur Rechten Gottes – von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Fröhlich und zuversichtlich dürfen wir heute feiern: Der Himmel geht über allen auf – auf alle über – über allen auf.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zum Sonntag Rogate

Der Dreiklang aus Jubilate – Kantate – Rogate ist für dieses Jahr vollendet. Rogate – Betet! Laut oder leise, allein oder mit anderen, frei oder mit geprägten Worten: Betet! Im Mittelpunkt des Sonntags steht die Ermutigung zu Gebet und Fürbitte. Das Gebet steht unter der Verheißung des Wochenspruchs: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft!“

Beten – mit Gott in Kontakt treten. Na klar, Beten gehört zu jedem Gottesdienst, für viele zum Ritual am Morgen und am Abend. Reden mit Gott – Bitten herantragen an Gott – mit Mut, weil wir glauben/weil wir wissen, dass er uns zu jeder Zeit zuhört und Antwort gibt – mit Sorge, weil sich immer wieder auch die Frage stellt: Wie kann ich sicher sein, dass mein Gebet nicht ungehört bleibt? Manchem fällt das Beten schwer. Andere erleben es als befreiend, ihr Herz auszuschütten oder in der Stille Gott zu suchen. Der Sonntag Rogate ermutigt zum Gebet.

Es gibt Gebete, bei denen kommt die Frage nach dem Gehörtwerden wohl nur selten auf – zu vertraut ist uns der Text. Wir können im Matthäus–Evangeliums nachlesen: „Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. – Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Ins Auge fällt der Nachsatz. Es geht um Vergebung. Wir bitten im Gebet um Vergebung. Die Verbindung zum Vater im Himmel definiert sich genau über diese Vergebung – für unsere Fehler, für Fehleinschätzungen, für meine Nachlässigkeiten. Wenn wir selbst bereit sind, anderen zu vergeben, wird auch der Herrgott unsere vorgetragenen Bitten aufnehmen und uns vergeben.

Und wenn nicht? Wenn wir nicht bereit sind, Fehlern anderer zu vergeben, dann wird auch uns nicht vergeben werden. Wer also in Gottes Namen bittet und damit bereit ist Vergebung zu leben, der stößt bei Gott nicht auf taube Ohren. Unsere Bereitschaft der Vergebung führt zum Gehör bei Gott – Eigentlich ganz einfach … auf der einen Seite … und auf der anderen Seite bedarf es für ehrliche Vergebung Mut und Kraft. Mut und Kraft wird uns durch Gott immer wieder zusagt. Er lässt sie uns immer wieder spüren. Jubilate – Kantate – Rogate: Sein Wille soll, sein Wille wird geschehen.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zum Sonntag Kantate / Was ist normal?

Tag für Tag, Woche für Woche entfernen wir uns von dem Tag tiefster Trauer, als Jesus am Kreuz gestorben ist; Tag für Tag, Woche für Woche entfernen wir uns von dem Tag, da Jesus von den Toten auferstanden ist. – Tag für Tag, Woche für Woche kehrt immer mehr Normalität ein. Kaum einer, der bis heute nicht gehört hat von der Auferstehung Jesu Christi und auch in der Lage ist, diese Realität zu glauben.

So begannen meine Gedanken zum Sonntag Jubilate und sie haben nicht an Aktualität verloren. – in jeder Beziehung.

Viel wird in diesen Tagen von Normalität gesprochen – die Menschen sehnen sich nach Normalität – auch am 4.Sonntag nach Ostern. Löst die Normalität Freude aus? Von welcher Normalität reden wir? Über welche Normalität freuen wir uns?

Wir dürfen uns freuen, über die Öffnung von Schulen, Läden, Sportstätten, über die Öffnung von Restaurants und Ferienwohnungen – wissend, dass diese Normalität auch Sorge bei dem ein oder anderen bereitet. Sorgen bereiten mir diejenigen, die mit den Ängsten der Mensch spielen und als Verschwörungstheoretiker unterwegs sind und uns glauben machen wollen, dass Corona nur ein Spiel sei, ein Spiel, dass tödlich enden kann.

Noch weiß ich nur eine Antwort darauf, eine Antwort auf die ich vertraue und die mir Mut macht, auch den Verantwortungsträgern in diesem Staat, neue Wege aufzuzeigen, die gegangen werden müssen, damit wir nicht alle abstürzen.

Diese Antwort heißt: Freuet euch – Singet – Betet, so wie es uns zugesagt ist, nicht erst seit Ostern der Auferstehung von Jesus Christus. Jubilate – Kantate – Rogate!

In dem heutigen Psalm 98 lesen wir: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Das heißt doch: – Zuversicht für die vor uns liegende Zeit – aber auch: seid unsichtig und sorgsam. Normalität, die sich über Zuversicht und Glaube an seine Wunder definieren lässt, ist möglich. Jesus Christus ist auferstanden! Er lebt unter uns!

An diese Normalität dürfen wir uns Tag um Tag, Woche um Woche gewöhnen. Mit ein wenig Mut wird es gelingen. Und auch wenn in den Präsenzgottesdiensten unserer Gemeinde ab der kommenden Woche das laute Mitsingen noch nicht wieder möglich sein wird, die Orgel wird ertönen und das leise Mitsummen bekannter Melodien wird uns niemand versagen können.

Wie wär es mit: Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön. Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd. (EG 302)

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zum 3. Sonntag nach Ostern – Jubilate

Bejubelt Gott, alle Länder der Welt! – Jubilate Domini, omnis terra!

Tag für Tag, Woche für Woche entfernen wir uns von dem Tag tiefster Trauer, als Jesus am Kreuz gestorben ist, Tag für Tag, Woche für Woche entfernen wir uns von dem Tag, da Jesus von den Toten auferstanden ist. Tag für Tag, Woche für Woche kehrt immer mehr Normalität ein. Kaum einer, der bis heute nicht gehört hat von der Auferstehung Jesu Christi und auch in der Lage ist diese Realität zu glauben.

Bejubelt Gott, der diese frohe Botschaft hat wahr werden lassen. Bejubelt Gott, der uns vor Augen geführt hat, wie sehr er uns liebt.

Bejubelt Gott – es ist der Sonntag Jubilate, der uns in der Normalität ankommen lässt, losgelöst von Unsicherheit in unserem Glauben, losgelöst von Misstrauen.

Die Fröhlichkeit des Jubels könnten wir herausrufen, wir könnten dazu singen – so wie wir es mit vielen Liedern der Oster– und nachösterlichen Zeit gewohnt sind.

Er ist erstanden, Halleluja! (EG 116) // Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100) // Jesus ist kommen (EG 66). – Viele von uns brauchen das Gesangbuch nicht einmal aufschlagen.

Doch da merken wir, dass eben nichts ist so wie vorher, dass nichts ist wie im vergangen Jahr. Wir sind gehemmt, versteckt hinter einer Maske.

Aber dies sollte uns nicht hindern, die Freude, den Jubel des heutigen Sonntags zu leben – in Stille – und nicht nur an diesem Sonntag, sondern zumindest in der vor uns liegenden Woche.

Wir dürfen und müssen uns klar machen, dass diese Einschränkungen nichts zu tun haben mit der Freude bringenden, von uns angenommenen und durch uns gelebten frohen Botschaft, die wir vernehmen durften am Ostertag.

Es ist der kleine, unsichtbare Virus, der uns bremst. Und er wird uns auch weiter bremsen solange es keinen Impfstoff oder Medikamente gibt. Aber dürfen mit Freude nach vorne schauen, wenn wir uns wieder versammeln dürfen, wenn wir gemeinsam der Musik der Orgel lauschen können und zumindest die Lieder der Osterzeit für uns mitsummen, den Text leise mitsprechen dürfen. – Das ist ein Zeichen, dass es nach vorne geht.

Dieser Sonntag macht uns deutlich, dass wir neben all dem Jubel auch geduldig sein müssen – mit uns selbst – mit den Mitmenschen – mit denen, die durch Entscheidungen in schwieriger Zeit Verantwortung tragen. Wir müssen geduldig sein und dennoch mit Mut den Weg weitergehen, einen Weg der Nächstenliebe, einen Weg, auf dem wir die Botschaft weitertragen, auf einem Weg, auf dem wir uns begleitet wissen.

Mit dieser Freude, mit dieser Geduld und mit diesem Mut wollen wir in die neue Woche starten. – Jubilate Domini, omnis terra!

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zum 2. Sonntag nach Ostern

In den vergangenen Wochen habe ich hier versucht den jeweiligen Sonntag zu betrachten aus christlicher Sicht und unter dem Gesichtspunkt des Verbindenden zwischen evangelischen und katholischen Christen in Telgte, Ostbevern und Westbevern. An diesem Sonntag wird das erstmals schwer. Der morgige Sonntag heißt nach der Agende der evangelischen Christen „Misericordia Domini“, nach katholischer Ordnung „Jubilate“. Am dritten Sonntag nach Ostern, also am kommenden Wochenende ist es dann genau umgekehrt. Warum das so ist – hier mögen die studierten Theologen helfen.

Verbindend ist, dass wir alle einen Sonntag feiern, der durch das Motiv des guten Hirten geprägt ist und daher auch als Guthirtensonntag bzw. Hirtensonntag bezeichnet wird. Und wir feiern alle einen Sonntag in dieser Nachosterzeit, an dem wir Gott zujubeln dürfen, ob der Dinge, die wir an Ostern und den Wochen, die der Auferstehung Jesu Christi folgten, erlebt haben. Beide Themen ergänzen sich. Dank und Zuversicht, dass der Herr uns auf unseren Wegen begleiten – überdeutlich im Psalm 23, in dem wir beten dürfen: Mir wird nichts mangeln, weil der Herr mein Hirte ist, weil er für uns sorgt. Das heißt nicht, dass uns nicht passieren kann, dass wir unverletzlich sind, dass wir immun sind, wenn wir glauben oder weil wir glauben. Aber wir sind behütet und begleite auch dann, wenn wir ein Tief durchleben, wenn es uns einmal nicht so gut geht. Der Herr ist auch in diesen Situationen mit uns unterwegs. Gutes und Barmherzigkeit werden uns folgen unser Leben lang. Wir werden bleiben im Hause des Herrn immerdar. Dessen dürfen wir fröhlich sein, darum dürfen wir jubilieren – und wenn wir Glück haben sogar in Kürze in gemeinsam gefeierten Gottesdienste in unseren Kirche – auch das ein Grund für Dankbarkeit und Jubel.

Also schauen wir auf das Verbindende, auf die Dinge die uns an den beiden kommenden Sonntagen und darüber hinaus verbindet – Dank, Zuversicht und Freude, dass wir behütet und begleitet sind als Christen untereinander und mit unserem Herrgott. Danke.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

Gedanken zum 1. Sonntag nach Ostern

Der 2. Sonntag der Osterzeit heißt Quasimodogeniti. Der Sonntag erinnert uns an dieneue Geburt, die wir durch Wasser und Geist erfahren, d.h. an den Anfang eines neuen Lebens in Christus. Der Sonntag erinnert an die Taufe, an das Sakrament, das mit Ostern eng verbunden ist, einen Brauch, den wir umständehalber in diesem Jahr nicht pflegen konnten. Schmerzlich? Zumindest bedauern es die Menschen, sich nicht in der Kirche zum gemeinsamen Gebet, nicht zum gemeinsam Lob Gottes nicht zur Taufe und nicht zur Tauferinnerung zusammenfinden zu dürfen. Es fehlt etwas. Viele Christen feiern zu Hause. Sie zünden eine Kerze an. Sie erinnern damit an das Licht, das Christus uns in der Osternacht neu geschenkt hat. Sie lesen einen Vers aus der Bibel. Sie erfreuen sich an der frohen Botschaft Gottes, die uns Ostern neu geschenkt wurde. Sie halten Inne in Stille und bedenken, was sich verändert hat im Miteinander der Menschen, auch im Miteinander der Christengemeinde. Sie spüren den Chancen nach, die sich uns auftun, von denen sie hoffen, dass sie Realität werden in der Zeit nach Corona.

Und auch wenn es gut ist, die Ruhe zu Hause zu finden, möchte ich ermutigen, sich auf den Weg zu den Gotteshäuser zu machen, die auch in dieser Zeit zeitlich befristet geöffnet werden. Vielleicht kostet es ein wenig Überwindung. Ich finde es hilfreich, dort zu verweilen. Mir kommen gute, auch neue Gedanken, wenn ich die Osterkerze mit ihrem warmen Licht sehe, wenn ich den Altar sehe, wenn ich aus demKirchenfenster hinaus schaue. Blicke für Dinge in der Kirche, die ich jetzt viel bewusster wahrnehme – wie ein Neugeborener Christus neu erfahren.
Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zu Ostern

Woran denken die Menschen an Ostern. Wenn ich die Medien auswerte, dann geht es um die Auswirkungen von Corona – keine Ausflüge – kein Urlaub – Kontaktverbote – keine Ostergottesgottesdienste (zumindest nicht in der Kirche vor Ort) – Sorge um die Existenz – Sorge um die Gesundheit.

Hallo! – Wir sollten nicht vergessen: Ostern heißt: Er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden – des lasst uns alle fröhlich sein – Halleluja!

Die Glocken der Kirchen beider Konfessionen weisen uns darauf hin. 15 Minuten lang in ökumenischer Gemeinschaft. Es ist eine Zeit der Freude, eine Zeit der Zuversicht, eine Zeit mit Mut der Hoffnung freien Lauf zu lassen. Ostern darf uns auch in diesem Jahr verdeutlichen: Tod und Trauer lassen sich überwinden, Mutlosigkeit und Verdruss können wir hinter uns lassen. – Und wenn es nicht gelingt? Auch zu Jesu Zeiten gab es Menschen, die diese Freude nicht sofort gespürt haben, die diese Freude nicht sofort weitertragen konnten. Aber Stück für Stück, Tag um Tag, hat sich die freudige Botschaft ausgebreitet. Und so wird es auch uns gelingen, wenn wir die Regeln beachten, die das Miteinander auf Abstand ermöglichen.

Dann werden wir mit Blick auf die frohe Botschaft von Ostern uns nicht gefangen nehmen lassen im Denken und Handeln von dem unheimlichen Virus.

Gott gebe uns die Kraft die frohe Botschaft wahrzunehmen und wo immer möglich mutig weiterzutragen – an Ostern und nach Ostern: Er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zu Karfreitag

Am Aschermittwoch begann die Fastenzeit. 40 Tage lang haben sich Christen auf
Ostern vorbereitet. Die Christen sollen in der Zeit des Fasten als äußeres Zeichen
von Buße und Besinnung auf Dinge verzichten, die ihnen angenehm und lieb sind –
etwa auf Schokolade, Nikotin, Alkohol oder das Autofahren.
Am Gründonnerstag ist die Fastenzeit nach 40 Tagen zu Ende gegangen.
Die Fastenzeit hatte in der evangelischen Kirche in diesem Jahr die Überschrift „7
Wochen ohne Pessimismus“. Nicht nur auf Süßes verzichten, sondern sich frei
machen von Furcht, Ängsten und Sorgen, die Gehirnwindungen durchspülen, damit
Platz wird für Hoffnung und Zuversicht.
Als wir in die Fastenzeit gestartet sind, war das sicherlich keine so große
Herausforderung, da Corona uns noch nicht gefangen genommen hatte. In der
zweiten Hälfte der Fastenzeit wurde es von Tag zu Tag schwerer. Die Meldungen
und Berichte in den Medien haben uns, die wir 7 Wochen ohne Pessimismus leben
wollten, vor eine besondere Herausforderung gestellt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen
ergangen ist? Mir ist es nicht an jedem Tag gelungen und ich habe gebetet: Mein
Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.


So vertraue ich darauf, dass der Karfreitag, ein Tag der Trauer und der Stille, uns
allen Kraft geben möge, Ostern in Freude und ohne Pessimismus zu erleben, denn
Karfreitag setzt einen Schlusspunkt: Es ist vollbracht!

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken zu Gründonnerstag

Gründonnerstag steht im Zeichen der Gemeinschaft – ein letztes Mal – ein letztes
Mahl … und mit Blick auf Ostern: der Beginn etwas Neuen. Christen feiern dieses
Mahl als Erinnerung und als Zeichen der Gemeinschaft. Christen feiern dieses Mahl
vor unterschiedlichem Hintergrund. Die Feier der Eucharistie und die Feier des
Heiligen Abendmahles unterscheiden sich. Aber beide beruhen auf der gleichen
Begebenheit.
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,
dankte, brach’s und gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und essest, das
ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Desgleichen nahm er auch den Kelch,
dankte wiederum, gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus,
dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird
zur Vergebung der Sünden.


In diesem Jahr können an Gründonnerstag keine Gottesdienste und Messen im
Gedenken an das letzte Mahl von Jesus Christus mit seinen Jüngern vor der
Kreuzigung in der gewohnten Gemeinschaft, in unseren Kirchen gefeiert werden. Die
Gemeinschaft wird von uns Christen gerade jetzt sehr vermisst. Die
Vorstellungskraft, dass die Jüngerinnen und Jünger stellvertretend für uns alle mit
Jesus Christus in geistiger Begleitung unseres Herrgottes das Mahl feiern bzw.
gefeiert haben, fällt vielen Menschen verständlicherweise schwer. Aber wir können
mit dem Mut unseres Glaubens uns Mühe geben, die Gemeinschaft zu denken und
Gemeinschaft nachzuempfinden, denn Jesus Christus macht uns Mut dazu während
des Abendmahles mit seinen Jüngern, indem er sagt: Solches tut zu meinem
Gedächtnis.

Thomas Sohst – Laienprediger der ev. Kirche Telgte / Ostbevern / Westbevern

 

Gedanken am Palmsonntag

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, die letzte Woche der Passionszeit. Jesus zieht in Jerusalem ein. Er reitet auf einem Esel. Die Menschen jubeln ihm zu. Jesus weiß, was auf ihn zukommt. Er hat vor sich; Kreuzigung, Tod – aber auch Auferstehung; Stationen die wir in der kommenden Woche bedenken werden. Die Menschen, die Jesus zujubeln kennen nicht das Ziel des Weges, auf welchem Jesus ist. Sie werden den Tod erleben, ohne von der Auferstehung etwas zu erahnen. Das unterschiedet die meisten Menschen, die den Palmsonntag vor den Toren Jerusalems live erlebt haben von uns Menschen heute. Wir leben in der Vorfreude auf Ostern, wir leben in der Hoffnung der Auferstehung, wir leben in der Zuversicht des ewigen Lebens.

Noch etwas unterscheidet uns Menschen heute von den Menschen vor den Toren Jerusalems. Trotz Vorfreude, Hoffnung und Zuversicht und fühlen sich viele Menschen unwohl. Sie verstehen, dass jetzt Abstand notwendig ist, aber sie sehnen sich nach Nähe. Sie sorgen sich um Menschen, die krank sind – insbesondere wenn sie positiv getestet sind. Sie haben Angst, wenn sie die Berichte um die vielen Toten in Deutschland und um uns herum hören. Wie gern würden sie gemeinsam mit den Mitchristen Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern feiern – gut, dass es Internet– und Fernsehgottesdienste gibt – aber es ist kein Ersatz. Gut, dass Kirchen geöffnet sind, für ein stilles Gebet – mit dem notwendigen Abstand.

Ich wünsche uns allen, dass es gelingt in der kommenden Woche auf dem Weg auf Ostern zu, sich gefangen nehmen zu lassen von der Freude, die uns mit Blick auf Ostern motivieren kann, den Weg, den Jesus vorangegangen ist, mit Mut mitzugehen – auch in der Zeit heute, wo viele Menschen sich fragen, wo dieser Weg enden mag. – Wir dürfen zuversichtlich sein, weil wir den Weg nie alleine gehen. Unser Herrgott beschützt uns.

Thomas Sohst – Laienprediger der evangelischen Kirche Telgte/Ostbevern–

 

Gedanken am Sonntag Judica

Auch heute durfte ich wieder bei einem Spaziergang durch Telgte in der für 1 Stunde geöffneten Petrus–Kirche Platz nehmen. Ich konnte mich erfreuen am Kerzenlicht auf dem Altar. Es war ruhig. Ich hatte Zeit nachzudenken.Zuhause sitze ich im HomeOffice vor dem Laptop, mal vor dem Computer, beantworte Mails,versuche Dinge nach vorne zu denken, telefoniere um mich abzustimmen und Hilfe Suchenden Mut zu machen.Mut machen – dies ging mir heute auch in der Kirchenbank sitzend durch den Kopf.Ich habe Jesus Christus immer als Mutmacher verstanden; als Mutmacher für Nächstenliebe; als Mutmacher für Hilfe; als Mutmacher für Teilen, als Mutmacher zu vertrauen, als Mutmacher zu hoffen, als Mutmacher zu glauben.Christen sind aufgefordert Jesus Christus auf seinem Weg zu folgen.Ich bin aufgefordert Jesus Christus auf seinem Weg zu folgen.Also ist es unsere, ist es meine Aufgabe als Christ, Mut zu machen.Das gelingt nicht immer – Mut machen kann bedrängen – Mut machen bedarf hinreichender Kraft – wem das nicht immer gelingt ist kein schlechter Christ – unser Herrgott und sein Sohnbegleiten uns auf unserem Weg auch in Zeiten, da es uns weniger gelingt als Mutmacher zu wirken.Mut machen heißt dabei nicht: ich mache Mut und die anderen dürfen dann die Arbeit machen.Mut machen durch Vormachen ist die Devise.Und auch das gelingt uns Menschen nicht immer. Wir sind nicht ohne Fehl. Auch unsere Mitmenschen sind nicht ohne Fehl. Deshalb ist es nicht unsere Aufgabe zu richten.Der Sonntag heißt Judica – richte! Richte mich o Herr (Psalm 43). Gib mir Hinweise, wo ich es übertrieben habe mit dem Mut machen. Gib mir Hinweise, wo ich mehr Mut machen sollte.Und vielleicht sehen wir uns nächsten Sonntag, wenn wir auf dem Spazierweg eine Pause einlegen in der Petruskirche – mit dem notwendigen Abstand – verbunden als ökumenisch handelnde Christen – ich möchte dazu Mut machen.

Thomas Sohst

 

GEDANKEN an LÄTARE

Ich freue mich. Ich sitze in der Kirche an meinem angestammten Platz – wie jeden Sonntag.

Ich freue mich. Die Kirche ist geöffnet. Die Kerzen brennen. Es gibt Musik – wie jeden Sonntag.

Ich freue mich. Ich weiß mich verbunden im Gebet mit meinen Kindern und Enkelkindern – mit meiner Familie – mit den Christen in Westbevern, Ostbevern, Brock und Telgte – mit allen Christen in ökumenischer Verbundenheit – mit den Menschen in Deutschland, Europa und der Welt, auch denen, die einen anderen Glauben haben. – wie jeden Sonntag.

… und dennoch ist es anders – aber ich freue mich am Sonntag Lätare.

(Thomas Sohst)