Gemeinde

Geschichtliche Entwicklung und heutige Struktur der Kirchengemeinde Telgte

Die evangelische Kirchengemeinde Telgte war und ist eine Gemeinde in typischer Diaspora-Situation. Ihre Anfänge reichen zurück in die Zeit, in der im katholischen Münsterland von der Obrigkeit bewusst preußische Beamte eingesetzt wurden, die ihren evangelischen Glauben mitbrachten. Eine Kernzelle entstand daher im Bahnhof Telgte, die sich vornehmlich dort in kleiner Runde traf. Bis dahin hielten Münsteraner Pfarrer gelegentliche Gottesdienste im Bahnhofsgebäude und in Schulen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Zahl der evangelischen Bewohner AlteKircheBTelgtes und der umliegenden Orte durch den Zustrom von Flüchtlingen, Evakuierten und Vertriebenen stark zu. Zu deren Betreuung und Seelsorge wurde damals Pfarrer Siegfried Günzel beauftragt, die evangelischen Christen in der Umgebung zu sammeln und zu einer Gemeinde zusammenzuführen. Eine Notkirche (vormalig eine Holzbaracke des Reichsarbeitsdienstes) wurde im Telgter Pappelwald/ Emsauen – nach großen Schwierigkeiten – am 08.12.1946 in Dienst genommen.

  • Am 01.02.1954 wurde die Kirchengemeinde selbständig. Zu ihr gehörten damals Telgte mit Westbevern, Münster-Handorf und Ostbevern mit den dazugehörigen Bauernschaften.
  • Am 18.11.1957 wurde in Ostbevern die Christuskirche eingeweiht.
  • Am 06.12.1964 konnte in Telgte die heutige Petruskirche im Emsesch eingeweiht werden, zusammen mit Pfarrhaus, Kindergarten und Gemeindehaus.
  • Ergänzend wurde am 08.09.1991 in Westbevern-Vadrup das Maria-Magdalena-Haus eingeweiht.

Trotz mancher Widrigkeiten entwickelte sich bald ein reges Gemeindeleben mit regelmäßigen Gottesdiensten, Jugendgruppen, Frauenhilfe, Erwachsenengruppen und -kreisen, mit Singkreis und Posaunenchor. Patenschaften und „(Dritte)-Welt-Laden“ wurden gegründet. Später wurde das Gemeindeleben durch die langen Amtszeiten der jeweiligen Pfarrer und deren Schwerpunktsetzung geprägt.

Gegenwart: (Stand: November 2009)
Nach der letzten Umstrukturierung von Gemeinden im Kirchenkreis Münster gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Telgte heute:

  • der Pfarrbezirk Telgte/Westbevern mit
    • dem Gemeindezentrum in Telgte Stadt, An der Petruskirche 4-6, bestehend aus Petruskirche, Gemeindehaus, Pfarrhaus und Paul-Gerhardt- Kindergarten
    • dem Maria-Magdalena-Haus in Westbevern-Vadrup, Kapellenweg, als weitere Predigtstätte und zugleich Gemeindehaus
  • und der Pfarrbezirk Ostbevern mit dem Gemeindezentrum Ostbevern, Prozessionsweg 11, bestehend aus Christuskirche und angebautem Gemeindehaus sowie dem Pfarrhaus.
    Im Ortsteil Ostbevern- Brock wird die Herz-Jesu-Kirche als Predigtstätte mitgenutzt.

Aktuell stehen für alle Aufgaben der Kirchengemeinde Telgte in den drei räumlich getrennten Orten 1,5 Pfarrstellen zur Verfügung (Telgte mit Westbevern eine ganze Stelle, Ostbevern eine halbe Stelle).

Telgte Stadt hat mit Stand November 2009 2.943 Gemeindeglieder, Westbevern mit Vadrup 615 und Ostbevern 1.752, von denen 165 im Ortsteil Brock leben. Drei Gemeindeglieder sind zugepfarrt.

Das lokale Umfeld ist im überwiegend katholischen Münsterland kleinstädtisch-bürgerlich geprägt mit infrastrukturell spürbarer Nähe zum Mittelzentrum Münster. Geographisch umfasst die evangelische Kirchengemeinde Telgte das Gebiet der politischen Gemeinde Telgte mit Telgte Stadt und Ortsteil Westbevern mit Vadrup (ca. 19.500 Einwohner, 13 km östlich von Münster) und der politischen Gemeinde Ostbevern mit Ortsteil Brock (ca. 11.000 Einwohner, 20 km nordöstlich von Münster) mit einer Fläche von ca. 180km². Die jeweiligen Gemeindestrukturen ergeben sich aus räumlicher Verteilung und unterschiedlicher Größe der Ortschaften mit dem jeweiligen Anteil evangelischer Einwohner (Telgte Stadt: 20%, Ostbevern 15%, Westbevern 12%). Die räumliche Entfernung der drei Gemeindeteile mit ihren beiden eigenständigen Gemeindezentren erschwert das Selbstverständnis der Glieder als eine Gemeinde.